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Drama

Da folgt doch ein überraschender Moment dem Nächsten. Eine Wohnung. Zwei Paare. Das macht vier Menschen und ihre Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können. Naturgemäß, es sind Individuen. Dabei nähern sie sich an und stoßen sich wieder ab, nicht aus Willkür; weil sie starke Persönlichkeiten und Figuren sind; weil sie etwas verteidigen wollen oder weil... Die Vielfalt der Charaktere spiegelt sich in der Vielfalt der Schauspielenden. Jeder Darsteller und jede Darstellerin hat ihren großen Part, den wunderbaren Moment, indem man so sehr staunt darüber, welches Gesicht sie uns zeigen, welchen Drive sie entwickeln können – und es ist ja nicht so, dass man nicht alle schon ausgiebig kennt; ihre Stärken; ihre Schwächen. All dies wird hier, in diesem Film, ad absurdum geführt – so spielerisch; so leichtgläubig treten wir, die Zuschauenden diesem Film gegenüber. Und wo bleibt da dieser Roman Polanski, der Wunderbare; der Regisseur; Taktgeber; wo versteckt er sich; hinter diesem brillanten Stück; hinter dieser Eloge auf die Zwischenmenschlichkeit. Nun Die Antwort steckt wie immer im Detail; im kleinen, perfiden Kameraakt. (T.O.)

Von einem Moment auf den anderen: Ein Kind ist verschwunden und die Gewissheit um sein Schicksal nicht gegeben. Eine Tragik ohnegleichen. Melodramatisch das Schauspiel von Angelina Jolie – gefühlsbetont, hoch emotional, stilisiert. Die späten 1920er Jahre in den Vereinigten Staaten, Los Angeles. Das verkörpert sie makellos. Mit aller Kraft kämpft sie gegen die Ungewissheit zum Schicksal ihres Sohnes und wälzt in ihrem unaufhörlichen Protest den Polizeiapparat um. Darüber hinaus lebt dieser Film natürlich von der Unfassbarkeit der Geschichte und der zurückgenommenen Filmuntermalung, die ganz zart und leise das Filmbild kommentiert. Zur Inszenierung ist insofern unkonventionell für das amerikanische Kino, als die eigentliche Tat (der Massenmord) nicht übertrieben in Darstellung gepresst wird. Der Horror findet im Kopf des Kinozuschauers statt: die Imagination, das Auffüllen. Viel wichtiger als diese Gräueltaten ist das Handeln von Mrs. Collins – unerbittlich, furchtlos. Ihre Kraft und ihr Glauben bleiben nachhaltig in meinem Kopf, nicht der Mord mit der Axt, nicht das amerikanische Motiv des Serienmords. Das Verschwinden und die Suche als Träger der Spannung: Gelöst ist diese Spannung nicht zu 100%, weil die absolute Klarheit hinsichtlich der Ereignisse fehlt. Tief in der Psyche von Mrs. Collins verankert, komme ich von diesem Thema, dieser Suche nicht fort, bin darin gefangen. (T. O.)

Von allen Seiten Bewegung, Wachstum; erwachsen aus dem Nichts; aus kühlem Stein lebendig gemacht. Biegen und Brechen. Rhythmisch empor gehoben aus verbeugtem Lichterschein; liegend; sitzend; halb herausgebrochen. Einzelfragmente aus Stein. Erzogen von sich selbst. In Kraft und Leidenschaft und ungewöhnlich melancholischer Trauer. Davon getragen, eingeholt von glattem Widerspruch der Lebensweisheit. Dem abgeschieden biologischem Glanz verträumter und viel gescholtener Menschwerdung. Nirgendwo gibt es einen Anfang. Nirgendwo gibt es ein Ende. Unfassbar in beziehungsreiner Formvollendung des niederen Wohlseins der Lebendigkeit.

Emmanuelle je t'aime, tes seins, tes lèvres, ta naturalité. Emmanuelle je t'aime. Das ist unglaublich. Diese wunderschöne Frau in diesem Psychothriller. Das ist französische Schönheit, von der ich träume. Ein wunderschöne Frau, mit Charme, mit lasziven Bewegungen, mit Lebensfreude in einer Welt voller Küsschen und liebevollen Berührungen. Das ist eine Welt, die abgründig ist, weil sie so irreal scheint. Dort tun sich die Abgründe auf. Dort muss man danach suchen, weil es nicht möglich scheint, dass es vollendetes Glück geben kann. Der Schein trügt. Immer der Trug des Scheins, der das Leben charakterisiert. Existiert kein Schein, ist alles ehrlich, so konstruiere ihn, koste es was es wolle, selbst deinen Verstand. (T.O.)

Für was lebt oder stirbt man. Für was wurde man geboren. Die Kraft die aus diesem innerlichen Gefühl heraus wächst, ist eine Kraft von Leben und Tod. Dieser Film handelt nicht nur von Leben und Tod; von Gewalt und Macht. Es ist der Glaube an etwas, dass man nicht erklären kann; der Glaube an sein innerstes Gefühl; der Glaube daran mit seinem Handeln etwas bewirken zu können; auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Im Falle von Bobby Sands ist es mehr als diese Kleinigkeit und Steve McQueen handelt mit seiner Regie ebenfalls für etwas Großes, Ideelles. Nämlich den Mut und die Kraft zu haben seine innersten Überzeugungen nach einem Außen zu tragen. Im Falle von Bobby Sands und im Falle von Steve McQueen; seiner Crew; Michael Fassbender. Im Sinne von vielerlei Dingen, die schwer zu erklären sind. Aber es geht hier auch um den Film. In ruhigen, fast statischen und zeitlosen Bildern erzählt uns jedes einzelne Bild eine Lebensgeschichte. Dabei sticht die Komposition einer einzelnen Sequenz unglaublich heraus. Nichts täuscht darüber hinweg. Nichts und Niemand kann das leugnen. Kein Zweifel an der Brillianz dieses Films. (T.O.)

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